14. Mai 2008, 12:52
Wir erwarten für 2008 und 2009 nur ein unterdurchschnittliches
Wirtschaftswachstum in den USA. Einer der Hauptgründe hierfür ist der
negative Einfluss des Immobilienmarktes. Dieser erfolgt über mehrere
Wege: die Hypothekenmarktkrise erschwert die Kreditaufnahme, die
Bautätigkeit fällt weiter, der private Verbrauch profitiert nicht mehr vom
Vermögenseffekt höherer Immobilienpreise und im Baugewerbe ist mit
zusätzlichem Stellenabbau zu rechnen. Es bleibt aber wahrscheinlich, dass
eine tiefe Rezession vermieden werden kann.
Die Probleme am Wohnungsmarkt dürften sich noch länger hinziehen. Die
Ausfallraten, vor allem bei ARM-Hypotheken (mit variablen Zinsen-siehe
auch unsere Publikation Kurzes Glossar zum US-Hypothekenmarkt)-sind
deutlich gestiegen, vor allem im sogenannten subprime-Bereich. Obwohl die
merklich gefallenen Geldmarktzinsen den Anpassungsschock für viele ARMSchuldner
abmildern werden, ist ein Abflachen bei den Zahlungsausfällen
weiterhin nicht abzusehen. Fallende Preise spielen hier sicher eine Rolle. In
einigen ehemaligen Boomregionen sind die Hauspreise inzwischen
rückläufig. Die nationale Lage ist aber weniger eindeutig. Verschiedene
Preisdaten senden unterschiedliche Signale. Über die direkte Wirkung der geringeren Bauaktivität hinaus ist der negative
Effekt vom Wohnungsmarkt auf die Gesamtwirtschaft bisher eher geringer
als erwartet ausgefallen. Die Eigenkapitalentnahmen (MEW) sind zwar
massiv zurückgegangen, die Verbraucher haben ihre Sparquote aber nicht
deutlich erhöht. Im Wohnungsbau sind Beschäftigte entlassen worden, aber
dieser Prozess läuft relativ graduell. Ein allgemeiner Credit Crunch ist nach
wie vor nicht zu beobachten. Zwar ist der Zugang zu Hypothekenkrediten
schwieriger geworden, vor allem für Haushalte mit einer schlechten
Kredithistorie. Ein guter Teil der bisher erfolgen Korrektur spiegelt aber in
erster Linie nur eine angemessenere Bewertung von Risiko und eine
Rückkehr zu umsichtigen Kreditvergaberichtlinien wider. Die massiven
Zinssenkungen der Fed und das Konjunkturpaket der Regierung sollten
helfen, die negative Wirkung der Finanzmarktturbulenzen auf die Konjunktur
abzufedern. Der NAR-Erschwinglichkeitsindex ist ein idealer
Startpunkt. Er hat den Vorteil, alle relevanten Faktoren –
Hypothekenzinsen, Immobilienpreise und Einkommen –
zu einem intuitiven Indikator zu verbinden. Steht dieser
Index bei 100, so reichen die Einkünfte eines Haushaltes
mit mittlerem Einkommen exakt aus, um ein
Einfamilienhaus der mittleren Preisklasse aus dem
Bestand zu erwerben (unter der Annahme eines
monatlichen Schuldendienstes von weniger als 25% des
Einkommens und einer Anzahlung von 20%). Seit Juli 2007 sind die Zinsen für das Standardprodukt
„30jährige Hypothek“ massiv gefallen. Für schlechtere
Risiken und für Haushalte auf der Suche nach „Jumbo“-
Hypotheken hat sich die Lage zwar seitdem
verschlechtert. Für die große Mehrheit der potenziellen
Hauskäufer sind Häuser in den vergangenen Monaten
allerdings wieder merklich erschwinglicher geworden. Wir erwarten, dass der 30-jährige Hypothekenzins
zunächst weiter nachgibt und sich im Prognosezeitraum
unter der im Juli 2006 erreichten Marke von 6,8% hält.
Dies sollte das Potenzial für einen echten Crash verringern,
sofern die Einkommen der Haushalte einigermaßen
stabil bleiben. Wir erwarten bis weit ins Jahr 2008 hinein
eine recht schwache Nachfrage nach Immobilien,
allerdings sollte sich bei fallenden Preisen und angesichts
der aktuellen Einkommenstrends und der Höhe der
Hypothekenzinsen die Erschwinglichkeit weiter
verbessern.
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